Frei wie wir sind…

Der Sinn für mich nicht zu erkenn‘
Seh‘ ich Schikane im System!
Ein Muster das uns prägen soll,
zu Robotern uns machen.

Unseren Geist und unsre Freiheit,
eisern unterdrücken,
uns leistungsfähig, stärker machen!
Fantasie? Was willst du damit kaufen?

Das Lügen lehren und Betrügen,
das ist das Ziel der Schule,
auf das wir gut gewappnet sind,
im Arbeitskampf des Lebens.

Zur Gleichheit werden wir erzogen:
„Dein Satz ist falsch gestellt,
die Worte falsch geschrieben,
die Schrift nicht länger tragbar!

Dein Kunstbild ist zu bunt geworden,
der Aufsatz zu romantisch,
und Fragen sagst du hast du?
Kannst du für dich behalten!

Warum wir Brüche lehren?
Weil du sie später brauchst!
Und Zeichnen musst du können,
den Zirkel stets zur Hand!

Und nicht mit Freunden reden,
das Handy las Zuhaus‘,
und wo wir schon dabei sind,
dein Lachen bitte auch.

Und in der Pause artig sein,
hier wird doch nicht gerannt!
Mit Bällen nicht den Platz verlassen,
kein HANDY in der Hand!

Und wenn du Zeit hast, ließ ein Buch,
am besten über Römer,
ein Referat am nächsten Montag,
ein Wochenende Zeit dafür!

Vorkabeln sollst du stätig lernen,
und Hausaufgaben machen!
Und Morgen bist du wieder hier,
um acht, und pünktlich, bitte!“

 

 

Viel Spaß, beim analysieren!
eure Sibylle

Sonett Nr. 46

Stets zum letzten Glockenschlag,
Stürm‘ ich aus dem Haus
Schlag die Tür zum Hause zu
Und sprinte in den Tag.

An dem Haltestellenschild
Bleib ich schließlich steh’n,
Strecke mich und frage dann:
„War der Bus schon da?“

Alle schlafen – keiner spricht,
Nun, dann heute eben nicht.
Ich setze meinen Rucksack ab,

Doch Halt! Der Bus, er naht heran!
Stöhnend heb‘ ich meine Last
Und steige ein, in großer Hast.

 

Harriet

 

Der Famoste Baum

Es war einmal, vor langer, langer Zeit
Da gab es einen famosten Baum bereits
Der Baum war wirklich sehr bekannt
Im ganzen, großen Schotten – Land.

Die Leute kamen von sehr weit her
Um ihn stehen zu sehen, am Meer
Doch leider wurden sie betrogen,
Der Baum hatte sie angelogen!

Am Meer steht er schon lang nicht mehr
Das ist schon lange, lange her
Er steht jetzt nur noch an dem Fluss
Und wartet lange schon auf den Kuss

Der schönen Prinzessin
Maria von Hessen.
Doch diese hatte ihn schon bald vergessen.

 

In Gedenken an William McGonagall,

Harriet

Die Muschel

Eine relativ große, weiße Muschel liegt vor mir im Sand. Halb verdeckt von all den anderen Muscheln liegt sie da und wartet. Doch worauf wartet so eine Muschel eigentlich? Beziehungsweise, ist ihre Beschäftigung überhaupt das warten? Wenn sie nicht wartet, was macht sie dann den ganzen Tag? Was wird sie morgen machen und was hat sie gestern gemacht?

Die Muschel liegt noch immer schweigend vor mir im Sand. Sie ist vom Meerwasser rein gewaschen und strahlt förmlich zwischen ihren Kameraden hervor, als wollte sie sagen: „Nimm mich mit!“ Ich betrachte sie noch einen Moment, warte darauf, ob vielleicht noch etwas passiert. Schließlich erbarme ich mich ihr, bücke mich und hebe sie hoch. Meine Finger spüren die großen und die kleinen Rillen, die aussehen, als wären sie mit einem Lineal gezogen. Ich setze mich in den Sand und lausche der Muschel, die mir ihre Geschichte erzählt.

Das Rauschen des Meeres, das Kreischen der Möwen. Die weiße Muschel, die von den Wellen an den Strand getragen wird. Der Sand, der sie verschluckt und völlig umgibt, sie und die anderen Muscheln. Dann wird der Sand weggespült, von den Wellen, die größer, stärker und mächtiger sind als vorher. Zum ersten Mal sieht die Muschel die Sonne aufgehen. Ein großer, roter Feuerball, der langsam den Himmel empor steigt. Die Muschel hat nur wenige Stunden der Ruhe, denn dann kommen die ersten Menschen mit ihren großen, schweren Füßen, die überall herum trampeln, ungeachtet dessen, was sie treten. Die Muschel wird immer weiter nach unten gedrückt, unbeachtet von jedem. Sie bekommt mit, wie viele der anderen Muscheln mit genommen werden, doch sie wird immer übersehen.

Ihre Geschichte ist lang und voller Abenteuer und ich lausche ihr bis zum Schluss ihrer Reise.